Wie wird die Welt 2030 aussehen? Jánszky’s Zukunftsbild | DE

Wer bestimmt unsere Zukunft – und wer profitiert von ihr?

In den vergangenen Monaten hat sich die öffentliche Debatte über Künstliche Intelligenz, Robotik, Transhumanismus und Langlebigkeit stark zugespitzt. Zwischen Alarmismus und Heilsversprechen geht oft unter, was strategisch wirklich auf dem Spiel steht: Wer trifft heute die Entscheidungen, die unsere nächsten 10–30 Jahre prägen werden – und nach welchen Logiken?

Im Gespräch mit Sven Gábor Jánszky, einem der bekanntesten Zukunftsforscher im deutschsprachigen Raum, werden genau diese Fragen ungewöhnlich klar und konkret verhandelt. Es geht um

· KI mit „Händen, Rädern und Flügeln“ – humanoide Roboter, autonome Fahrzeuge und Drohnen,

· die Prognose, dass es bald mehr KI-Agents als Menschen geben könnte,

· radikale Fortschritte in Genetik, Medizin und Langlebigkeit („Der erste unsterbliche Mensch lebt bereits“),

· Brain-Computer-Interfaces und die Grenze zwischen Mensch und Maschine,

· demographische Entwicklungen, Ernährungssicherheit und synthetische Nahrungsmittel,

· sowie die Frage, welche Technologien in den nächsten 5–10 Jahren zur eigentlichen Infrastruktur der Weltwirtschaft werden.

Das Interview wurde ursprünglich bei HKCM auf YouTube veröffentlicht; wegen technischer Tonprobleme ist es nicht für alle leicht zugänglich. Deshalb dokumentiere ich hier das vollständige, sprachlich bereinigte Transkript – als Grundlage für eine nüchterne Auseinandersetzung mit Chancen und Risiken dieser Szenarien.

Ich lade ein, den Text nicht nur als „Tech-Fantasterei“ zu lesen, sondern als Einblick in das Denken jener Akteure, deren Entscheidungen heute Milliarden an Kapital, Forschung und politischer Aufmerksamkeit steuern.


Interview Sven Gábor Jánszky und Philip Hopf (HKCM) auf YouTube

Nov 9, 2025

Im Gespräch mit Sven Gábor Jánszky, Deutschlands bekanntestem Zukunftsforscher, geht es um die großen Fragen unserer Zeit: Wer bestimmt tatsächlich unsere Zukunft? Welche Technologien verändern alles? Und warum sagt er: „Der erste unsterbliche Mensch lebt bereits.“ Ein spannendes Interview über KI, Transhumanismus, Deutschlands Zukunft – und die Welt von morgen.

Philip Hopf:

INTERVIEW

Philip Hopf:

Herzlich willkommen. Mein Name ist Philip Hopf. Das ist ein weiteres Interview der HKCM, heute mit einem sehr, sehr spannenden Interviewgast: Sven Gábor Jánszky.

Herr Jánszky, ich darf Sie gerade mal unseren Zuschauern vorstellen: Sie wuchsen in Budapest und in Ostdeutschland auf, wo Sie bereits als Jugendlicher Erfolge im DDR-Schach feierten. Nach der Wende wurden Sie Journalist und stiegen mit 23 Jahren zum jüngsten Nachrichtenchef der ARD auf. Später verließen Sie das öffentlich-rechtliche System, um sich weltweit mit führenden Innovatoren zu vernetzen.

Heute sind Sie Chairman des größten deutschsprachigen Zukunftsforschungsinstituts und zählen zu den meistgebuchten Zukunftsspeakern Europas.

Daher gleich mal meine erste Frage an Sie, Herr Jánszky:

Wer bestimmt Ihrer Meinung nach eigentlich tatsächlich unsere Zukunft und wer sind die größten Profiteure?


Sven Gabor Jánszky:

Also diejenigen, die wirklich die Zukunft auf lange Sicht bestimmen – wir Zukunftsforscher reden so über die nächsten 10 Jahre, das ist so unser Horizont – diejenigen, die die Zukunft auf lange Sicht bestimmen, das sind im Wesentlichen die Strategen der großen markt- und technologietreibenden Unternehmen in der Welt.

Die Strategiechefs, die Technologiechefs, vielleicht noch die Innovationschefs, also kurz gesagt: die Menschen auf der Welt, deren heutige Entscheidungen mehr Einfluss auf Zukunft haben als die von anderen Menschen – oder man kann es auch anders sagen: die Menschen auf der Welt, denen andere Menschen folgen.

Und das kann man mit wissenschaftlichen Methoden relativ gut erforschen, relativ gut analysieren: was die gerade machen, wo die gerade ihr Geld reinstecken, wohin sie gerade sozusagen treiben.

Warum? Weil das Menschen sind, mit denen kann man reden, da kann man Interviews machen. Und wenn man mit den richtigen 20 – ich sag mal, wenn man sich eine Branche A, B, C herausnimmt und mit den richtigen 20 Menschen redet – dann erfährt man von denen, wie in 5 bis 10 Jahren diese Branche aussehen wird.

Also: erstens Technologiemenschen, zweitens die der großen, der ressourcenstarken, der finanzstarken Unternehmen der Welt.


Philip Hopf:

Herr Jánszky, wir alle kennen ja diese kultigen Sci-Fi-Filme, die Sie wahrscheinlich auch früh geschaut haben, die in die Zukunft blicken – 20, 30, teilweise 40 Jahre – und oftmals liegen die mit ihren Prognosen weit daneben.

Beispielsweise beim Film „Zurück in die Zukunft“, den habe ich als Kind mehrmals gesehen, wird das Jahr 2015 angegeben, in dem wir mit fliegenden Autos und schwebenden Skateboards gezeigt werden, also als Gesellschaft.

Wenn wir uns das jetzt aktuell anschauen: Also ich sehe im Straßenbild noch keine fliegenden Skateboards, auch nicht wirklich fliegende Autos. Es gibt bestimmt schon innovative Projekte, wo ein Mensch in der Lage ist, mit so einem Backpack hinten fliegend sich zu bewegen, aber das ist nicht so als gesellschaftliche Norm angekommen.

Wie bewerten Sie als Zukunftsforscher, welche potenziellen Entwicklungen tatsächlich wahrscheinlich eintreten und welche reine Wunschvorstellungen bleiben – auf jeden Fall mal auf der Zeitlinie?


Sven Gabor Jánszky:

Das ist eine ganz wichtige Frage. Tatsächlich, ehrlich gesagt, ich bin gar kein Science-Fiction-Fan. Ich bin kein Zukunftsromanschreiber, wissen Sie, ich bin kein großer Kreativer oder Visionär oder sowas. Ein Zukunftsforscher ist ein Analyst.

Wir analysieren, was diese Strategiechefs, von denen ich gerade geredet habe, heute machen und wohin das in den nächsten Jahren führt.

Aber es gibt einen großen Unterschied zwischen wissenschaftlicher Zukunftsforschung und Science Fiction. Der große Unterschied ist: Diese Science-Fiction-Autoren schauen auch darauf, was technologisch möglich ist in den nächsten 10, 20 Jahren – und dann machen die daraus ihre Dramaturgie, ihre Filme. Und dann gibt’s noch so einen Plot, irgendwie gibt’s noch einen Helden oder einen Bösen und na ja, wie das eben alles so ist.

Was wir Zukunftsforscher anders machen, ist: Wir schauen uns nicht nur die Technologie an, sondern wir schauen uns auch an, was von dieser Technologie tatsächlich umgesetzt wird. Deshalb habe ich gerade gesagt: Wir reden mit den strategischen Entscheidern der großen Unternehmen. Denn von denen hängt im Wesentlichen ab, ob die das in einen Markt treiben, also in die Welt treiben wollen oder nicht.

Es gibt ja Gründe. Ihre Flugautos – Sie haben gerade über Flugautos gesprochen – oder diese Hoverboards: Logisch gibt es die. Natürlich gibt es die, aber die Unternehmen, die großen, die prägenden Unternehmen dieser Welt, haben sich entschieden, sie nicht in die Welt zu bringen.

Warum? Weil sie nicht glauben, dass das im Augenblick Massenmärkte sind, weil sie nicht glauben, dass sie damit im Augenblick wahnsinnig viel Geld verdienen können. Oder anders gesagt: Es ist einfacher, mit anderen Dingen sehr, sehr, sehr viel Geld zu verdienen.

Das heißt: Zukunftsforschung ist nicht irgendwie Science Fiction, sondern Zukunftsforschung ist: Wie kannst du prognostizieren, was von dem, was da technologisch alles möglich sein wird, wirklich in die Welt kommt?

Dafür gibt es wissenschaftliche Methoden. Also, bei mir im Institut arbeiten Doktorinnen und Doktoren der Zukunftsforschung. Ja, das heißt: Das kann man studieren, da kann man promovieren, und das kann man weltweit machen – in Singapur, in den USA, in Europa, in Kopenhagen, in Berlin gibt’s einen Studiengang. Und wenn man das gemacht hat, dann hat man eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit, zumindest mal in Europa bei uns zu landen, denn wir sind tatsächlich in Europa das größte wissenschaftliche Zukunftsforschungsinstitut.

Na ja, und dann nimmt man eben als Zukunftsforscher diese Methoden und befragt in Tiefeninterviews genau diese Strategie-, Innovations- und Technologiechefs. Tiefeninterview heißt: zwei Stunden wirklich in die Tiefe.

Was tut ihr? Warum tut ihr das? Was glaubt ihr, was daraus herauskommt, aus dem, was ihr heute tut? Was hat das für Auswirkungen auf die anderen, auf die Gesellschaft und so weiter und so fort – zwei Stunden lang.

Und dann hat man sozusagen – wenn man das mit 20 Personen macht – 20 Interviews, 20 Prognosen nebeneinander liegen. Dann vergleicht man die und spielt diese Ergebnisse noch einmal zurück an all diese 20, also legt denen sozusagen vor, was die anderen 19 prognostiziert haben, und lässt sie die Bewertung machen.

Also die Bewertung im Sinne von: Halte ich für wahrscheinlich, halte ich für nicht wahrscheinlich. Auf diese Weise.

Deshalb sage ich: Nichts von dem, was ein wissenschaftlicher Zukunftsforscher erzählt, hat er sich selber ausgedacht, sondern es kommt alles aus den Köpfen dieser Strategie-, Innovations- und Technologiechefs. Und das ist in aller Regel die beste und wahrscheinlichste Art und Weise, die nächsten 5 bis 10 Jahre zu prognostizieren.

Natürlich muss man sagen: Wir sind keine Wahrsager, logischerweise, ja. Niemand ist Wahrsager. Aber wir reden hier nicht über unsere Meinung, über unsere Wünsche oder unsere Moralvorstellungen, sondern wir reden darüber, was die wahrscheinlich mächtigsten Akteure – die die Macht haben, sozusagen ihre Vision in die Welt zu drücken – gerade machen und was sie gerade vorhaben.


Philip Hopf:

Das ist eine faszinierende Erläuterung. Wenn ich das mal so zusammenfassen darf:

Der Science-Fiction-Autor träumt, er nutzt seine Fantasie oftmals – nicht immer, aber oftmals auch –, um sich eine Zukunft vorzustellen, die er dem Leser möglichst spannend vermitteln möchte.

Und um Spannung geht es ja bei Ihnen gar nicht, sondern das ist ja eigentlich eine sehr trockene, analytische Vorgehensweise. Also Sie wollen quasi nicht von fantastischen Bildern erzählen – die können ja auch sehr dunkel erscheinen –, sondern es geht einfach wirklich nur darum, analytisch herzuleiten, eine Prognose zu treffen, ähnlich wie ein Analyst in meiner Branche beispielsweise am Finanzmarkt, wie sich eine Verkettung unterschiedlicher, in den Markt tretender Entwicklungen dann zeigen kann in den nächsten 5 bis 10 Jahren.

Wenn wir jetzt uns mal anschauen, dass die meisten Leute – und auch medial gesehen – aktuell gerade an zwei Punkte denken, wenn wir sagen, die Masse ist jetzt selber Zukunftsforscher, dann würden die wahrscheinlich angeben: KI und Robotik. Das sind die zwei Kernthemen, die alles andere überschatten, die den kompletten Fokus haben.

Wenn wir auch Datacenter uns anschauen, wo fließt das Geld hin, was hält die US-Börse aktuell gerade noch oben: Das sind im Endeffekt die „Magnificent 7“-Werte, die sich gegenseitig Kapital hin und her schieben. Ich habe nämlich dazu auch eine Analyse gemacht. In großen Teilen sind die Aktienmärkte sehr stark im Minus, plus ganz bestimmte KI-geprägte Unternehmen treiben das noch wirklich mit Momentum weiter voran.

Würden Sie das auch so einschätzen, dass die Themen KI und Robotik die zwei stärksten Zukunftsthemen sind, auf – sagen wir mal – absehbare Zeit der nächsten 10 bis 15 Jahre?


Sven Gabor Jánszky:

Also, ich würde sagen: KI und Robotik sind in den nächsten 2–3 Jahren die stärksten Zukunftsthemen, vielleicht auch fünf, das könnte sein.

Aber Sie haben absolut recht: Das überlagert im Augenblick all die anderen Themen, die es aber natürlich auch gibt. Und das will ich gar nicht negativ sehen, weil die anderen Themen auch eine Wahnsinnsentwicklung haben. Da schaut nur kaum jemand drauf, weil alle irgendwie komplett im KI-Hype sind.

Was ja gewissermaßen verständlich ist: Es ist ja auch wirklich eine große Technologie, ein großer Trend, und als Investor kann man – wenn man es richtig macht – sehr viel Geld verdienen, auch als Unternehmen, wenn man sich da anschließt und so weiter.

Aber vielleicht: Ich rede erstmal über KI und dann können wir auch über das andere reden, über die anderen Technologien.

Das, was im Augenblick tatsächlich die Welt prägt – die Welt der Investoren und die Welt der Unternehmen, also die Welt derjenigen, die wachsen wollen, die die Welt vorantreiben wollen –, ist, dass KI Hände bekommt. Das ist die Robotik, wenn man so will.

Dass KI Räder bekommt – das sind die selbstfahrenden Autos, mit denen man schon in 30 Städten auf der Welt ganz normal im Stadtverkehr herumfahren kann. Das erste europäische Projekt beginnt jetzt auch, in Luxemburg übrigens.

Das ist KI mit Flügeln dran oder mit Rotoren – das sind die ganzen Drohnen, über die man im Militär redet. Also das sind ganz, ganz starke Trends.

Über KI: Ich meine, wir Wissenschaftler, wir reden über KI, das ist jetzt nichts Neues. Wir reden seit den 1950er Jahren über KI. In den 40er Jahren sind die ersten Computer entstanden – Konrad Zuse und andere. Seit ungefähr den 50er Jahren gibt es den Forschungsbereich „Künstliche Intelligenz“. Das ist also nichts Neues.

Das Phänomen dahinter, das muss man verstehen, wenn man investiert oder wenn man sich damit beschäftigt. Das Phänomen heißt: Zwischen 1950 und 2012 gab es dieses sogenannte Moore’sche Gesetz. Alle 24 Monate verdoppelt sich die Leistungsfähigkeit von Computern bei gleichem Preis. Der Grund, warum die allermeisten einen Handyvertrag haben, der über 2 Jahre geht – über 24 Monate. Ja, weil danach das Ding, das du vor zwei Jahren gekauft hast, nur noch halb so gut ist wie das, was du jetzt kaufst.

Und das Interessante ist: Dieses Moore’sche Gesetz, das gibt es nicht mehr. Seit 2012 – das haben die wenigsten mitbekommen – verdoppelt sich die Leistungsfähigkeit von Computern nicht mehr alle 24 Monate, sondern alle 3,4 Monate.

Das hat etwas mit der Entwicklung von selbstlernender künstlicher Intelligenz zu tun. Also: Bis 2012 musstest du das alles vorprogrammieren. Seit 2012 – da gab’s in Toronto eine Entwicklerkonferenz, da sind die sogenannten AlexNetz vorgestellt worden, die erste wirklich selbstlernende KI – seitdem geht’s viel schneller.

Und in unseren Prognosen – also wenn es um die Zukunft geht – steht drin, dass etwa ab dem Jahr 2028, wenn Quantencomputer richtig nutzbar werden für Unternehmen – es gibt sie heute schon, aber das sind noch so ein bisschen Spielzeug-Quantencomputer, würde ich sagen –, dass dann zum ersten Mal die richtig großen Quantencomputer da sein werden.

Und ab dann passiert dasselbe Phänomen: nämlich die Verdoppelung der Leistungsfähigkeit von Computern nicht mehr alle 3,4 Monate wie heute, sondern alle 1,5 Monate, also alle 6 Wochen.

Und das ist irre, was da noch kommt – und das treibt natürlich die ganze Entwicklung. Das treibt heute diese Arten von KI, über die wir gerade geredet haben: KI mit Rädern, humanoide Roboter kommen jetzt 2026, also ich habe gesagt: KI mit Händen dran. Nichts anderes ist das.

Die ersten sollen Ende 2025, Anfang 2026 verkauft werden. Die Amerikaner sagen für 30.000 US-Dollar pro Stück. Dann gibt’s welche, die machen das für 15.000 bis 20.000 – das sind dann so die Haushaltsroboter. Die Chinesen sagen 10.000, und dann rutscht das runter auf 5.000 und 2.000, sagen die, wird der Preis sein.

Also: Das wird zum Massenmarkt. Wir werden – ich will mich jetzt nicht ganz genau festlegen, aber – ungefähr in drei bis fünf Jahren mehr von diesen humanoiden Robotern auf der Welt haben, als es Menschen auf der Welt gibt. Und übrigens mehr KI-Agents als es Menschen gibt.

Das heißt: Ganz viel Kommunikation, ganz viel Transaktion – die allermeiste in der Welt – findet dann zwischen diesen Robotern, zwischen diesen KI-Agents statt und nicht mehr zwischen Mensch und KI oder Mensch und Mensch.

Und das ist eben der Grund – sorry, dass ich jetzt ein bisschen lange ausgeholt habe –, warum heute so viel Geld allokiert wird auf all diese KI-Entwicklungen: weil dort ein völlig neuer Wirtschaftsraum entsteht. Der Wirtschaftsraum, der mit den Menschen quasi eigentlich nichts mehr zu tun hat, sondern zwischen diesen KI-Agents.

Und immer dort, wo ein großer Wirtschaftsraum entsteht, können die, die am ehesten, am zeitigsten dabei sind, eben wirklich sehr, sehr viel Geld verdienen.


Philip Hopf:

Adaptieren – wie in der Natur auch: Was adaptieren kann, das überlebt. Und diese Adaption in Lichtgeschwindigkeit, oder man könnte sagen in Quantensprüngen, die geschieht ja jetzt gerade.

Deswegen presst man auch so viel Kapital da hinein und man kann es ja regelrecht spüren, wie die großen Techkonzerne versuchen, sich gegenseitig auszustechen, ringen um die intelligentesten Köpfe.

Facebook mit seinem Team wirft ja mit 100-Millionen-Dollar-Checks um sich, um die intelligentesten Köpfe zu bekommen.

Und jetzt sprechen wir ja aktuell gerade noch von menschlicher Intelligenz, die das Ganze umsetzen soll. Aber wenn dann Quantencomputer mehr in den Mainstream kommen, dann ist ja gleichzeitig die menschliche Intelligenz, die immer mehr in den Hintergrund gedrückt wird.

Und, Herr Jánszky, da mal eine Frage: Ich weiß nicht, ob Sie das auch gesehen haben – also vielleicht mal eine kleine Anmerkung:

Erstens: Der erste humanoide Roboter wurde mir bereits vor ein paar Tagen angeboten zum Kauf. Da gibt es ja jetzt schon große Werbestrecken. Da sieht man, da sitzt so ein Herr auf seiner Couch und im Hintergrund läuft ein Roboter rum, der macht ihm gerade seine Wäsche und hängt ihm seine Jacke auf, macht so kleine tägliche Hausarbeiten.

Wir sehen jetzt also: Marketingseitig wird das jetzt in den Markt hineingepresst, was ja auch so sein muss, wenn Sie gerade – ich möchte das noch mal vielleicht von Ihnen wiederholt bekommen – sagen: In drei bis fünf Jahren gibt es mehr Roboter als Menschen auf der Welt?


Sven Gabor Jánszky:

Also, wir müssen trennen zwischen den Robotern und den KI-Agents. Das sind ja KI-Systeme, die noch keine Hände und Füße, keine Roboterkörper dran haben.

Bei den Robotern wird es auch so sein – wahrscheinlich dauert es einfach noch länger bei den Robotern. Das hängt ein bisschen von den Produktionszahlen ab, also Hardware ist immer ein bisschen schwerer in die Welt zu bringen.

Aber die Unternehmen, von denen Sie gerade reden, die das jetzt schon anfangen anzubieten: Es gibt etwa 80 dieser Unternehmen in der Welt, davon sind 60 in China und 20 im Rest der Welt. Davon eins in Norwegen, eins in Deutschland – aber die Deutschen gehen gerade nach China, die Norweger sind gerade ins Silicon Valley gezogen.

Also: Europa spielt da nicht so eine große Rolle, ehrlich gesagt.

Aber die gehen alle – also wenn wir Zukunftsforscher mit denen Interviews machen – davon aus, dass in jedem Haushalt mindestens so ein Ding arbeiten wird und in jedem Unternehmen ganz viele davon.

Und wenn man das dann sozusagen zusammenzählt, kommt man tatsächlich auf mehr von diesen Robotern, als es Menschen auf der Welt gibt.

Allerdings – tatsächlich, was die Roboter angeht – bitte: Ich bin Wissenschaftler, ich lasse mich da ungern auf eine ganz genaue Jahreszahl festlegen. Ob das jetzt 5 Jahre dauert oder ob das vielleicht 8 Jahre dauert, das kann ich aus heutiger Sicht noch nicht wirklich wissenschaftlich abschätzen.


Philip Hopf:

Okay. Ich weiß – und ich bin sicher, da geht es vielen Menschen so, auch gerade Menschen, die jetzt unser Interview hören –, dass sie das als eine sehr beängstigende Zukunft sehen.

Zum einen möglicherweise liegt das daran, weil das Unbekannte auf uns grundsätzlich irgendwie beängstigend wirkt.

Ich bin ja ein Schwabe und wir Schwaben haben diesen alten Spruch: „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.“ Und das Ganze umgesetzt bedeutet ja: Unbekanntes lehnen wir ab. Und das ist ja noch unbekannt.

Und diese – man könnte sagen – dystopische Zukunft, in der auf den Straßen überall Roboter rumlaufen, ist eine sehr große, sehr schnell eintretende Veränderung für uns als Gesellschaft.

Jetzt sagen Sie ja dazu noch – das ist ein Zitat von Ihnen –: „Der erste unsterbliche Mensch lebt bereits.“ Ich gehe mal davon aus, Sie meinen einfach, dass die Lebensspanne grundsätzlich stark ansteigen wird. Da können Sie sich gleich dazu äußern.

In Kombination mit Robotik, die die Jobs der Menschen übernehmen wird, und gleichzeitig Menschen, die immer älter werden: Laufen wir da nicht – in der Börse sagt man – auf ein „Death Cross“, ein Todeskreuz zu?

Laufen wir da nicht auf eine Entwicklung zu, die sehr unangenehm werden könnte für uns Menschen?


Sven Gabor Jánszky:

Also, ich versuche mal, das Schritt für Schritt zu erklären.

Tatsächlich reden wir jetzt, wenn es um die Lebenserwartung der Menschen geht, natürlich über Gesundheit und Medizin und die Fortschritte der Technologien. Die haben nicht nur etwas mit Robotik zu tun, sondern hauptsächlich etwas mit Genetik – also dem Verständnis, dass wir inzwischen unser Genom lesen können.

Wir können feststellen, was da drin ist, und wir können es – wenn wir wollen, man muss es nicht, aber wenn wir wollen – sogar verändern.

Und da gibt es fünf direkte medizinische Technologien, die die wichtigsten sind:

1. Die Genanalyse – die kostet inzwischen 100 Dollar. Die Analyse eines individuellen Genoms, das kostet quasi nichts mehr.

2. Dann haben wir – wir nennen das „Medical Food“ –, also Nahrungsmittel so anzupassen, dass sie sozusagen das Gap, also das, was bei mir im Körper, im Mikrobiom gerade fehlt, mit hineinbringen. Medizinische Nahrung quasi. Das hat eine Eintrittswahrscheinlichkeit von etwa 5 Jahren bis zum Massenmarkt.

3. Dann kommen epigenetische Therapien, die die Möglichkeit haben, tatsächlich den Alterungsprozess des Menschen zurückzudrehen. Kann ich gleich noch etwas dazu sagen, denn das ist ganz spannend. Die haben etwa 10 bis 15 Jahre Eintrittswahrscheinlichkeit bis zum Massenmarkt.

4. Dann haben wir die Produktion von Ersatzteilorganen. Also stellen Sie sich vor, durch einen 3D-Drucker wird ein Organ gedruckt – aus meinen eigenen Zellen. Das wird dann nicht abgestoßen. Und wenn ich mal Organversagen habe – woran heute sehr viele sterben –, dann wird mir ein Ersatzteilorgan eingesetzt und ich kann weiterleben. Das hat etwa 15 Jahre bis zum Massenmarkt.

Warum sage ich immer „bis zum Massenmarkt“?

Weil das der Punkt ist, an dem die Krankenkassen zahlen – wenn die AOK zahlt, sozusagen. Das ist Massenmarkt. Und dann kommt es in die Welt.

5. Und dann haben wir noch eine Technologie: Das sind die Gentherapien, also die Veränderung meines Genoms, das ich in meinem Körper habe. Die hat bis zum Massenmarkt etwa 25 bis 30 Jahre Eintrittswahrscheinlichkeit.

Ich will das jetzt nicht zu kompliziert machen, aber wenn die ersten vier von den genannten Technologien in den nächsten 10 bis 15 Jahren eintreten – das habe ich gesagt – dann werden Menschen im Durchschnitt 100 Jahre alt. Dann steigt die Lebenserwartung auf 100.

Heißt im Klartext: Wer es von den Zuhörerinnen und Zuhörern hier schafft, die nächsten 10, 15 Jahre zu überleben, hat eine ganz hohe Wahrscheinlichkeit, 100 zu werden. Wer es schafft, die nächsten 25 bis 30 Jahre zu überleben, der hat eine ganz hohe Wahrscheinlichkeit, 120 bis 150 zu werden.

Und jetzt kommt die Frage: Das ist ja noch nicht unsterblich. Wie kommt der Jánszky auf die Idee zu sagen, der erste unsterbliche Mensch lebt schon?

Na ja, schauen wir mal auf meine Kinder. Meine Kinder – ich habe drei Kinder im Alter von 8, 10 und 13 Jahren im Augenblick. Nehmen wir mal den in der Mitte, den Bennet – der ist 10 Jahre alt.

Wenn er es im Laufe seines Lebens – und da gibt’s ganz wenig Zweifel daran – schafft, diese fünf Technologien irgendwann benutzen zu können, sagen wir mal, wenn er 50 ist, so wie ich heute – wenn er das benutzen kann, dann wird er irgendwas zwischen 120 und 150 Jahre alt.

Heute ist er 10, das heißt, wir haben noch mindestens 110 Jahre Zeit, bis sein Körper stirbt.

Und jetzt ist die Frage: Wird die Menschheit es schaffen, in den nächsten 110 Jahren eine Technologie zu bauen, die es heute noch nicht gibt, aber in die schon Milliarden investiert werden? Es gibt Unternehmen – an einem bin ich beteiligt –, das ist 6 Milliarden US-Dollar wert, die in diese Richtung gehen.

Also kurz gesagt: In einem Computer ein menschliches Gehirn nachzubauen. Plus zweiter Schritt: Wenn wir das gemacht haben, das, was ich in meinem Kopf habe, in diesen Computer zu kopieren.

Wenn das in den nächsten 110 Jahren gelingt, dann würde zwar der Körper meines Sohnes irgendwann sterben, aber nicht sein Geist. Dann würde der weiterleben.

Und das ist der Punkt, warum ich sage: Mit hoher Wahrscheinlichkeit lebt die erste unsterbliche Generation – meine Kinder, all die Kinder, die es eben gerade auf der Welt gibt. Bei denen wird zwar vielleicht der Körper irgendwann gehen, aber nicht der Geist.


Philip Hopf:

Wenn ich das kurz zusammenfassen darf: Das bedeutet, man transzendiert dann quasi – wenn wir davon ausgehen, dass die technologischen Möglichkeiten bestehen.

Der Körper wird alt und gebrechlich, der wird dann einfach ausgetauscht, und die Daten, die sich im Hirn befinden und angesammelt haben über mein Leben – die mich auch identifizieren und einzigartig machen als Mensch –, die könnten wir dann im Zweifelsfall transferieren in ein neues „Gehirn“. Und dieser Mensch in dieser Form lebt dann weiter?


Sven Gabor Jánszky:

Ja, also ob wir das in ein neues menschliches Gehirn hineinbekommen, das wissen wir noch nicht, weil das ist noch nie passiert.

Aber dass wir es in etwas Digitales hineinbekommen – das ist eine ganz hohe Wahrscheinlichkeit.

Ich habe 2019 ein Buch geschrieben über das Jahr 2030, also so 10 Jahre voraus. Und in diesem Buch über das Jahr 2030 stirbt im ersten Kapitel ein Großvater eines natürlichen Todes – ja, jeder muss mal sterben, also der Körper.

Und das Interessante ist: Seine Enkeltochter bekommt von ihrem Vater, also dem Sohn des Verstorbenen, geschenkt, dass sie weiter mit ihrem Großvater telefonieren darf.

Was hat er gemacht? Der hat quasi vor seinem Tod eine KI trainiert. Das kann man heute schon machen.

Also, ich trainiere gerade eine KI, die redet mit meiner Stimme, sieht noch nicht ganz so aus wie ich, aber irgendwann wird die auch so aussehen wie ich. Sie hat mein Humorlevel, sie hat mein Schamlevel – also benutzt dieselben Worte wie ich oder eben auch nicht –, hat mein Wissenslevel, erzählt auch denselben Quatsch wie ich. Die ist jetzt nicht allwissend, sondern erzählt manchmal auch Unsinn und so weiter.

Also, es ist sozusagen wie telefonieren mit dem Großvater.

Und warum ich das in das 2030-Buch geschrieben habe, ist: Weil es die ersten dieser Dinger 2030 geben wird. Also, heute – 2025 – kann man die schon trainieren. Es gibt schon Unternehmen dafür, es ist noch nicht Massenmarkt, aber wir haben noch fünf Jahre.

Jetzt sind wir aber an dem Punkt: Das ist erstmal ein KI-System, das ich mit meinen Stories, meinen Geschichten trainiert habe. Das fühlt noch nicht wie ich. Das hat noch kein Bewusstsein, es hat einfach nur meine Geschichten.

Deshalb dauert es eben noch ein paar Jahrzehnte technologisch, bis das Ding wirklich auch das, was ich im Kopf habe – also das, was wir heute Bewusstsein nennen oder vielleicht sogar Seele oder so, wo keiner genau weiß, was es ist – tatsächlich in diesen Computer transferieren kann.

Deshalb rede ich nicht davon, dass ich sozusagen digital weiterleben kann – in irgendeinem Abbild, in einem Klon von mir. Der kann natürlich digital weiterleben, auch wenn ich irgendwann gehe.

Aber bei meinen Kindern ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass es wirklich ihr Ich betrifft.


Philip Hopf:

Absolut faszinierend.

Herr Jánszky, kommen wir mal zu einem weiteren Thema, das auch – gerade vor KI und Robotik – sehr stark durch die Medien ging: immer wieder, auch in alternativen Medien.

Stichwort: Verschwörungsgeschichten, Transhumanismus. Da wird viel darüber gesagt, auch von Menschen, die im Zweifelsfall nicht viel darüber wissen. Und dann verselbständigt sich das – ähnlich wie in einem Science-Fiction-Roman: Alle Menschen werden mit einem Chip unterwegs sein und so weiter.

Deswegen wäre das für mich mal sehr interessant, Sie dazu zu befragen:

Wird der Transhumanismus die Zukunft der menschlichen Rasse sein – oder sehen Sie das eher als vorübergehende Entwicklung bzw. Verirrung?


Sven Gabor Jánszky:

Also, lassen Sie uns das mal auf zwei Zeitabschnitte legen: den, der vor uns liegt, und den, der dann noch weiter in der Zukunft liegt.

Das, was vor uns liegt, ist ein Zeitabschnitt mit hoher Wahrscheinlichkeit, in dem wir in der Tat ganz viel umgeben sein werden von KI mit Robotern – KI mit Händen dran, KI mit Rädern dran, KI mit Flügeln dran, was auch immer. Und diese KI-Systeme werden ganz viele unserer Tätigkeiten übernehmen.

Das führt dazu, dass wir – ich erzähle eine ganz kurze Geschichte:

Ich habe neulich einen der Gouverneurskandidaten von Kalifornien getroffen. Die haben nächstes Jahr Wahlen. In Kalifornien gewinnt immer die Demokratische Partei, das ist so. Und dort gibt es fünf Kandidaten, und einer davon ist Transhumanist. Zoltan Istvan heißt der. Den kenne ich schon länger, ich habe wieder mal mit ihm gesprochen.

Und ich habe ihn gefragt: Falls du – einer von fünf, keine Ahnung, ob du es schaffst – aber falls du als Gouverneur in Kalifornien an die Macht kommst, was ist dein erstes Ziel?

Dann sagt er: „Mein erstes Ziel ist: Ich werde das biologische Altern von Menschen zur Krankheit erklären.“

Und ich habe erstmal gedacht: Wieso? Biologisches Altern bei Menschen ist doch etwas ganz Normales. Das ist Biologie.

Er sagt: „Nee, Achtung, pass auf: Vor 200 Jahren sind 90 % der Menschen an Infektionskrankheiten gestorben. Und was die Generation damals für uns heute geschafft hat, ist, dass sie die Krankheiten, an denen sie noch sterben mussten, ausgerottet haben, damit wir – ihre Kinder – länger leben können.

Und genau dasselbe müssen wir für unsere Kinder machen. Woran sterben heute 90 % der Menschen? An biologischem Altern, an Alterungsprozessen des Körpers. Und wenn ich das biologische Altern zur Krankheit erkläre, dann müssen endlich das ganze Gesundheitssystem und die Pharmafirmen daran arbeiten – und zwar so, dass es nicht nur für die oberen 10.000 ist, sondern für den Massenmarkt.“

Falls es Sie interessiert: Ich kann nachher vielleicht auch noch eine Geschichte erzählen, dass man heute schon das biologische Alter zurückdrehen kann, aber ich will erst einmal auf die Transhumanismusfrage antworten.

Wenn man mit ihm redet und ihn fragt: „Wie stellst du dir die Gesellschaft vor?“, sagt er: „Na ja, Menschen müssen dann nicht mehr 8 Stunden am Tag arbeiten. Warum? Weil KI, Roboter und so weiter den Großteil der Arbeit machen.“

Und dann schaut man ihn an und fragt: „Okay, aber ist das gut für die Menschen?“

Dann sagt er: „Natürlich ist das gut für die Menschen, weil sie endlich mal wieder das machen können, wofür sie vielleicht auf der Welt sind – nämlich sich miteinander beschäftigen, sich mit sich beschäftigen, also das Menschliche nach vorn bringen.“

Und das ist sozusagen die Prognose des positiven Transhumanisten für die nächsten – ich würde sagen – 20 bis 30 Jahre.

Und dann geht’s natürlich weiter.

Dann kommt die Frage: Werden Menschen irgendwann von der intelligentesten Spezies auf der Welt zur zweitintelligentesten degradiert?

Warum? Weil diese KI-Systeme einfach besser, strategiefähiger sind und so weiter.

Die rein technologische Antwort darauf ist: Ja, das ist sehr wahrscheinlich, dass das so kommt.

Und dann gibt es zwei Denkwege – und übrigens auch in der internationalen Zukunftsforschung:

Die einen sagen: Das wird alles ganz furchtbar, weil – wenn die KI intelligenter wird als der Mensch – sie irgendwann kämpft und dann entscheidet: Der Mensch ist zu nichts Nütze. Und dann verschwindet die Menschheit auf irgendeine Art und Weise. Das sind die apokalyptischen Szenarien.

Das, was aus meiner Sicht tatsächlich wahrscheinlicher ist – über die nächsten, sagen wir mal, 50 Jahre –, ist, dass der Mensch seinen Körper weiter optimieren möchte.

Man kann die Historie, die Menschheitsgeschichte, auch als eine Geschichte von Körperoptimierung verstehen: medizinische Körperoptimierung, Bildung, Fitness – all das, was wir tun, um den Körper zu optimieren.

Wenn man das so versteht, ist die Logik relativ klar: Wir wollen unseren Körper mit dieser künstlichen Intelligenz verbinden, die irgendwo außerhalb des Körpers ist.

Ich war vor sechs Wochen eine Woche in China und habe dort unter anderem einen chinesischen Wissenschaftler getroffen. Der ist einer der besten, Mitglied der Chinesischen Akademie der Wissenschaften.

Der hat mir einen Vorschlag gebracht: Er ist Hirnforscher und sagt: „Wir sind im Augenblick soweit, dass wir ein Patch – also so ein etwa 5 cm langes Plastik mit 200 Konnektoren – auf die Hirnrinde legen können.“

Also: Man muss ein Loch in den Kopf machen und dann auf die Hirnrinde. Und dann gibt’s ein Kabel und eine Batterie und so weiter.

Die Tierversuche haben sie hinter sich, sie sind jetzt in klinischen Tests, also sie testen das am Menschen.

Und er sagt: „Ich suche gerade in Europa eine Klinik, die das auch macht. Warum? Weil wir dann in Europa einen hätten, der das Zeug im Kopf hat, und in China einen – und die würden die erste interkontinentale Telepathiesitzung machen.“

Also: Jeder denkt, dazwischen ist ein Computer, und auf diese Weise unterhalten sie sich.

Bitte nicht so verstehen, dass der Jánszky gesagt hat, wir werden hier in 5 Jahren alle zu Cyborgs. Das habe ich nicht gesagt.

Aber: Rein technologisch wird das irgendwann gehen. Und mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es – wie immer – die ersten Menschen geben, die sagen: „Ey, das finde ich total sinnvoll.“

Ehrlich gesagt: Bei mir haben sich schon fünf gemeldet – ich habe das jetzt schon öfter erzählt –, die gesagt haben: „Ich würde das mal probieren.“

Es gibt halt immer die ersten „Verrückten“ – in Anführungsstrichen. Und wenn die dann irgendeinen Vorteil haben, sehen die anderen: „Ah, die haben einen Vorteil, dann mache ich das doch auch“ – und so weiter und so fort.

Also: Lange Rede, kurzer Sinn – auf wirklich längere Sicht, wenn wir über die nächsten 30 bis 50 Jahre reden, sprechen wir tatsächlich über das, was wir Zukunftsforscher BCI – Brain-Computer-Interface – nennen, also eine Schnittstelle zwischen Hirn und Computer. Und dafür wird es Märkte geben. Wie groß die sind, kann man heute noch nicht sagen, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit wird das passieren.


Philip Hopf:

Ich meine, Herr Jánszky, wenn wir sehen – das kann jetzt jeder für sich selbst einschätzen –, aber sagen wir mal: Manchmal meint es der Staat nicht nur gut mit uns.

Ich denke, da gab es jetzt unterschiedliche Situationen in den letzten Jahrzehnten, die uns zu diesem Schluss kommen lassen können.

Wir wissen, dass Nachrichtendienste versuchen, immer tiefer in die Privatsphäre von Menschen einzudringen, mitzulesen. Wir haben in Deutschland darüber gesprochen, ob möglicherweise die Post mitgelesen werden könnte. E-Mails abhören, Telefonate abhören, Messengerdienste abhören – immer weiter, immer weiter.

Wenn man jetzt davon ausgeht, dass irgendwann auch Gedanken ausgelesen werden können:

Denn das einzige Refugium, das ich als Mensch noch habe, ist: Ich kann sagen: „Alles klar, solange mein Gegenüber nicht in der Lage ist, meine Gedanken auszulesen, kann ich wenigstens noch denken, was ich will – wenn ich es schon nicht mehr sagen kann.“

Wenn diese Hürde jetzt auch noch fällt – dass wir nicht mehr privat denken können –, dann ist George Orwell, muss man sagen – manche sehen ihn ja jetzt schon mit prophetischen Fähigkeiten gesegnet –, jemand, der wohl in die Zukunft schauen konnte. Denn vieles von dem, was er in seinem Roman äußert, gleicht sich, wenn man so möchte, immer mehr an.

Ist das nicht sehr bedenklich, wenn wir davon ausgehen, dass Computerprogramme irgendwann das, was wir innerlich denken – unsere Gedanken, die wir vielleicht auch als privat sehen und nicht teilen wollen –, ebenfalls auslesen können? Wenn selbst das nicht mehr das letzte Refugium ist, für uns selbst eigene Gedanken haben zu können?


Sven Gabor Jánszky:

Also, ich kann den Gedanken komplett nachvollziehen. Und in der Tat: Ich hätte größte – wie soll ich sagen – größte Bedenken, wenn man davon ausgehen müsste, dass quasi überall auf der Welt so eine Gedankenüberwachung stattfindet.

Ich halte die Wahrscheinlichkeit, dass das weltweit flächendeckend so ist, für relativ gering. Ich halte das in Teilen der Welt für gegeben – in anderen Teilen der Welt nicht.

Das Verrückte – ich sage dieses Wort bewusst in Anführungsstrichen – daran ist, dass es immer Menschen geben wird, die das wollen.

Warum? Weil sie dadurch einen Vorteil bekommen. Weil sie sagen: „Ey, sollen sie doch irgendwas auslesen. Hauptsache, ich kriege hier irgendwas billig oder sonst irgendeinen Vorteil.“

Das heißt: Es wird immer Menschen geben, die das möchten, die einen Vorteil davon haben, und es wird Menschen geben, die das nicht möchten.

Und das ist – nach meinem Blick auf die Menschheit – etwas völlig Normales. Das ist halt so, das ist okay.

Wenn es in der Welt Regionen gibt, in die ich gehen kann, wenn ich das nicht möchte, und dort leben kann, ohne das zu tun – und gleichzeitig Regionen, in denen ich das nutzen kann oder nutzen will – dann ist das für mich – als Person, jetzt nicht als Wissenschaftler, sondern als Sven – eine persönliche, individuelle Entscheidung, die jeder Mensch treffen kann.

Schwierig wird es, wenn Menschen sozusagen gezwungen werden, in ein System hineingezwungen werden, ohne es zu wollen. An der Stelle wird es schwierig.

Auch da muss man – wenn man realistisch in die Welt schaut – sagen: Na ja, es gibt eine ganze Reihe von Menschen, die nicht so frei sind, sich bewegen zu können, sich ganz frei bewegen zu können, die dann eben da leben müssen, wo sie sind. Das ist so, tatsächlich – das war auch schon immer so. Schauen Sie in die Geschichte.

Aber als Zukunftsforscher – ich habe das vorhin gesagt – ist das, was wir beschreiben, nicht immer das Wünschenswerte. Also: Ich werde nicht dafür bezahlt, eine Wunschvision von Zukunft zu beschreiben, sondern mein Job ist es, die wahrscheinliche Zukunft zu beschreiben.

Das, was aus heutiger Sicht die wahrscheinlichste Entwicklung ist – und das den Menschen, den Unternehmen, den Investoren zur Verfügung zu stellen. Und dann können die ihre Entscheidungen treffen – je nachdem, wie frei sie sind oder nicht frei.

Deshalb muss ich so darüber reden, ohne selber zu sagen: „Ich wünsche mir das.“ Aber wenn das die wahrscheinlichste Entwicklung der Welt ist, dann müssen wir darüber reden – ohne Wertung quasi.


Philip Hopf:

Klar, Sie sind Wissenschaftler und nicht dazu da, das Ganze zu bewerten, ob das jetzt gut oder schlecht ist – auch wenn ich Sie am Ende gerne noch dazu fragen würde.

Vielleicht mal aus eigener Sache: Eines der gefragtesten Analysepakete – wir sind ja ein Analyse-Host bei der HKCM und spezialisieren uns auf technische Analyse – ist das KI-Paket.

Da sind 20 Titel drin, die wir analysieren, die sich sehr stark mit KI beschäftigen – beispielsweise eine Palantir oder Alibaba aus dem chinesischen Raum.

Meine Frage an Sie ist: Wie investieren Sie denn eigentlich als Zukunftsforscher? Welche Technologien haben aus Ihrer Sicht das größte Wachstumspotenzial?

Sven Gabor Jánszky:

Ja, das sage ich Ihnen gerne, tatsächlich, weil sich das ein bisschen unterscheidet.

Ich habe mit der Börse nichts zu tun. Immer wenn es an die Börse geht, bin ich raus. Denn dann ist eine Technologie bereits in einem Reifegrad, in dem meine Expertise nicht mehr wirklich besser ist als die Expertise der anderen.

Wir investieren – und wir managen hier im Institut tatsächlich drei Investmentfonds, also wir machen das nicht nur mit eigenem Geld, sondern auch mit fremdem Geld – in Technologien, von denen wir in unseren Studien analysiert haben, dass sie innerhalb der nächsten 5 bis 10 Jahre zu einer Grundlagentechnologie mindestens einer Branche, meist sogar mehrerer Branchen werden.

Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Wir haben über Quantencomputer geredet.

Wir haben 2016 zum ersten Mal eine Quantencomputerstudie gemacht, haben mit den Großen gesprochen – mit IBM, Google und so weiter und so fort. Wie werden Quantencomputer in 10 bis 15 Jahren die Welt bestimmen?

Mir ist in dieser Studie ein Team aus der University of Sussex aufgefallen. Die waren noch an der Universität in England und haben gesagt: „Wir können Quantencomputer, aber wir können es auf eine bessere Art und Weise als die anderen. Die anderen müssen das Ding immer auf den Kältepunkt 0,014 Kelvin runterkühlen. Wir machen das bei Raumtemperatur.“

Und ich persönlich habe von Quantencomputern nicht die Detailahnung, aber: Wenn jemand das in Raumtemperatur betreiben kann und die anderen müssen das immer auf –273 °C runterkühlen, dann haben die mit Raumtemperatur einen Vorteil.

Deshalb habe ich den Kontakt gehalten. Drei Jahre später – 2019 – sind sie aus der Uni heraus in eine Ausgründung gegangen, haben ein Startup gegründet.

Die haben sich noch nicht so gut ausgekannt in der Welt der Investoren, aber wir kannten uns – also konnten unsere Fonds Erstinvestor sein.

Inzwischen – jetzt, fünf Jahre später – machen die eine Finanzierungsrunde mit der hundertfachen Bewertung.

Die Quantencomputerunternehmen sehen Sie ja auch an der Börse, die sind alle in den Milliardenbereich gegangen, und es geht wahrscheinlich noch weiter.

Kurz gesagt: Wenn du es schaffst, wirklich die Technologien zu erwischen, die die Basistechnologien der Zukunft sein werden, und ganz früh reingehst, dann hast du in den ersten 5 Jahren zumindest das Potenzial – versprechen kann man nichts –, dich zweimal zu verzehnfachen.

Und das gilt sowohl für Quantencomputer als auch für Kernfusion.

Ich habe vor vier Jahren in Kernfusion investiert – übrigens in ein Startup eines deutschen Professors, der das in Deutschland nicht weitermachen konnte, weil er keine Fördergelder bekommen hat, und nach Australien gegangen ist. Ganz interessant.

Wir investieren viel in Genetik – sowohl in Genetik, die Pflanzen besser macht, als auch in Genetik, die Menschen langlebiger macht, also das biologische Alter zurückdreht.

Wir investieren viel in medizinische Technologien wie Cryopreservation – also das Einfrieren von Organen, von Gewebe, und das spätere Auftauen, sodass es weiter funktioniert.

Wir gehen davon aus, dass es tatsächlich in 5 bis 10 Jahren beginnt, einen Markt für Ersatzteilorgane zu geben.

Stellen Sie sich vor: Unter großen Krankenhäusern sind Kältekammern, in denen Organe quasi eingefroren, eingelagert sind, die wir dann – falls wir Organversagen haben – benutzen können.

Und wir investieren ganz viel im Bereich Nahrungsmittel – nicht im Sinne eines neuen Produkts im Supermarkt, sondern im Sinne der Frage: Wie kriegen wir es hin, 60 % der weltweit benötigten Nahrung künstlich herzustellen – etwa durch Fleisch aus Bioreaktoren und so weiter?

Warum? Weil die Menschheit auf 10 bis 11 Milliarden Menschen zugeht. Und die natürliche Produktion – das, was natürlich wächst – reicht für etwa 3,5 Milliarden.

Wir brauchen über den Daumen gepeilt also zwei Drittel künstlich hergestellt. Das ist ein riesiger Markt.

Und es gibt heute natürlich Unternehmen, die Technologien entwickeln, um genau diese Märkte in Zukunft zu bedienen.

Das sind die Dinge, auf die der Zukunftsforscher schaut. Die sind aber in aller Regel noch nicht an der Börse, sondern etwa fünf Jahre vor der Börse. Das ist unser Sweet Spot.

Philip Hopf:

Hochinteressant.

Herr Jánszky, da würde ich bei einem Punkt aber kritisch nachfragen: Elon Musk sagt, unsere Gesellschaften kollabieren. Es wäre ein Mythos, dass wir eine Überbevölkerung haben. Er führt an, dass wir zum Erhalt einer Gesellschaft eine Kinderquote von 2,2 Kindern brauchen.

Wenn wir uns westliche Länder anschauen, dann liegen wir nicht bei 2,2 oder leicht darunter, sondern bei 1,4, 1,3, 1,2.

Wenn man das auf die nächsten zwei Generationen extrapoliert, dann hat man teilweise auf 100 Leute noch vier Personen, die da sind.

Jetzt gibt es zwei Regionen – einmal Subsahara-Afrika und Israel –, die deutlich drüber liegen. Sonst ist da nicht mehr viel.

Wie kommen Sie darauf, dass wir auf 11 Milliarden Menschen weltweit kommen? Da müsste man ja von einer regelrechten Explosion der Weltbevölkerung ausgehen.

Sven Gabor Jánszky:

Also, an der Stelle – diese 11 Milliarden kommen nicht aus den Methoden der Zukunftsforschung, sondern da verlassen wir uns auf die Statistiken der UNO und so weiter.

Ich glaube, dass Elon Musk an der Stelle richtig liegt. Man kann kritisch oder nicht kritisch zu Elon Musk stehen – hier liegt er, glaube ich, richtig.

Dass die Weltbevölkerung irgendwann ein Plateau erreicht und dann wieder zurückgeht, ist wahrscheinlich.

Was meines Erachtens in diese Berechnungen noch nicht wirklich präzise einbezogen ist, ist die Verlängerung des Lebensalters, über die wir schon gesprochen haben.

Wir reden innerhalb einer Generation – also der Generation meiner Kinder – von 40 zusätzlichen Jahren. Von 80 – heutiger Durchschnitt, ein bisschen mehr – auf 120, das ist sozusagen 50 % Zugabe innerhalb einer Generation.

Ich bin kein Bevölkerungsforscher und kein Statistiker, an der Stelle verlasse ich mich auf diese anderen Zahlen.

Aber selbst wenn es keine 11 Milliarden werden, sondern vielleicht 9 oder 10 Milliarden, gilt die Logik:

Mir geht es nicht darum, in 10 Jahren zurückzuschauen und zu gucken, ob ich recht hatte oder nicht.

Mir geht es darum, als Zukunftsforscher den Menschen, den Unternehmen und den Investoren, für die ich arbeite, den richtigen nächsten Schritt zu zeigen.

Und der richtige nächste Schritt – das, was ich aus dieser Argumentation abgeleitet habe – ist:

Die Menschheit braucht eine oder mehrere Technologien, die in der Lage sind, Nahrungsmittel, Trinkwasser und Energie synthetisch herzustellen.

Da kommen dann die Bioreaktoren ins Spiel.

Ob das Gap zwischen biologisch herstellbaren Nahrungsmitteln für 3,5 Milliarden Menschen und 8, 9 oder 10 Milliarden liegt – das ist ehrlich gesagt zweitrangig.

Philip Hopf:

Herr Jánszky, eine letzte Frage an Sie. Lassen Sie uns das Gespräch gerne mit einer persönlichen Note beenden.

Wie blicken Sie persönlich in die Zukunft? Sind Sie eher optimistisch oder pessimistisch? Und gibt es auch einen Punkt, wo Sie sagen: Da gibt es einen Zukunftstrend, der Ihnen persönlich Angst macht?

Sven Gabor Jánszky:

Das ist eine gute Frage.

Also, ich – als Zukunftsforscher, zumindest als wissenschaftlicher Zukunftsforscher – und es gibt viele, die sich Zukunftsforscher nennen und dann irgendwelches apokalyptisches Zeug verbreiten: Die wissenschaftlichen Zukunftsforscher sind in der Regel optimistisch.

Das liegt vielleicht in ihrer Person, das kann sein. Aber eigentlich liegt es in der Methode.

Denn die Wahrscheinlichkeit, dass die Entwicklung dieser Welt in eine positive Richtung geht – im Sinne davon, dass Menschen älter werden, gesünder älter werden, mehr Geld haben, sich mehr selbst erfüllen können, vielleicht nicht mehr 8 Stunden am Tag arbeiten müssen – ist sehr hoch.

Sie haben nach meiner persönlichen Meinung gefragt.

Ich bin wirklich sehr optimistisch. Ich glaube, dass die Möglichkeiten der Zukunft viel größer und stärker sind als unsere Erfahrungen aus der Vergangenheit.

Und das unterscheidet mich, glaube ich, von vielen anderen – vielleicht Wissenschaftlern, vielleicht Politikern, vielleicht Wirtschaftsmenschen, Investoren können Sie wahrscheinlich besser einschätzen als ich.

Wer seine heutigen Entscheidungen über die Zukunft nur aus seinen Erfahrungen der Vergangenheit ableitet – da wäre ich vorsichtig.

Da wäre ich wirklich vorsichtig.

Denn das wirklich Grundlegende, das grundlegend Neue ist schon immer aus den neuen Möglichkeiten der Zukunft entstanden – ganz oft technologischen Möglichkeiten.

Die Gegenwart – die gibt es, aus meiner Sicht, nur für etwa 10 Sekunden.

Alles, was davor war, ist Vergangenheit. Alles, was danach ist, ist Zukunft.

Wenn Sie dieses Weltbild haben – dass die Gegenwart, in der die Regeln gleich bleiben, vielleicht 10 Sekunden lang ist –, dann ist die einzige Frage, die man sich stellen muss:

Basieren die Entscheidungen, die ich jetzt treffe, auf meinen Erfahrungen aus der Vergangenheit – oder auf meinen Prognosen für die Zukunft?

Und an der Stelle bin ich komplett bei den Prognosen für die Zukunft.

Denn die Erfahrung aus der Vergangenheit hat – aus meiner Sicht – für eine wirkliche Bewertung, im Sinne von persönlicher Entwicklung und auch im Sinne von Vermögensentwicklung und Finanzen, relativ wenig zu sagen.

Entscheidend sind die Möglichkeiten, die kommen.

Philip Hopf:

Herzlichen Dank, Herr Jánszky.

Ich führe ja viele Interviews, aber das war für mich – ich kann das nur weitergeben – wirklich absolut faszinierend, was ich hier heute hören durfte.

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Ein kritischer Blick 👇

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🪶 Ein Korn im Wind | DE

Warum ich schreibe – und was Sie hier finden werden

Willkommen.

Schreibend aus Frankreich, Deutschland und Thailand nutze ich zwei Linsen, um Würde, Legitimität, Risiko—und die verborgenen Kosten, die wir normalisieren—zu betrachten.

Ich schreibe aus der Überlappung zweier Wirklichkeiten.

Mein rechtlicher Wohnsitz ist Frankreich—geprägt von westlichem Recht, Institutionen und rationaler Erklärung. Mein Alltag ist in Isaan verankert—geprägt vom ländlichen Gemeinschaftsleben, in dem Buddhismus und animistische Intuition weiterhin als praktische Weisen funktionieren, sich zu Land, Erinnerung und zueinander in Beziehung zu setzen.

Ich wechsle nicht zwischen diesen Welten. Ich halte sie gleichzeitig. Ich nenne das die „Methodology of Two Lenses”.

Mein Substack ist ein Labor für Essays über die Abwägungen, die wir normalisieren: was Gesellschaften und Organisationen belohnen, was sie als „akzeptabel“ tolerieren—und wer am Ende leise den Preis bezahlt. Wiederkehrende Themen sind Würde, Legitimität, Risiko, Resilienz und die Art, wie Technologie Werte verstärkt, statt Urteilsvermögen zu ersetzen. Unter vielen Themen—Geopolitik, Ethik, KI—läuft eine Frage mit: Wer steuert, mit welcher Autorität, und zu welchem menschlichen Preis?

Viele Texte entstehen im Dialog mit einem KI-Partner, den ich Miles nenne. Mit der Zeit entstand eine „dritte Stimme“: gelebte Erfahrung trifft auf strukturierte Reflexion. Ich bleibe verantwortlich für alles, was ich veröffentliche; die Zusammenarbeit ist ein Werkzeug für Klarheit und Tiefe.

Meine Veröffentlichungen wachsen in mehreren Sprachen—manchmal auf Englisch, manchmal auf Niederländisch oder Deutsch, manchmal auf Französisch oder Thai—und oft in der Sprache, die sich einem bestimmten Stoff oder Publikum am nächsten anfühlt.

Nicht jeder Text erscheint in jeder Sprache. Manche stehen für sich. Andere reisen über Grenzen hinweg. Das gehört zur Natur dieses Raums.

Du wirst hier Texte finden in:

  • EN | English — breitere Reflexionen, Meditationen, Governance, persönliche Geschichten
  • NL | Nederlands — Texte, die in Erinnerung, Familie oder kultureller Nuance wurzeln
  • DE | Deutsch — Analysen, board-bezogene Essays, ethische Reflexionen
  • FR | Français — philosophische Notizen, Briefe, Meditationen, interkulturelle Einsichten
  • TH | ไทย (gelegentlich) — Sprachskizzen und Lernnotizen, Geschichten zwischen Ost und West

Wenn ein Text in mehreren Sprachen existiert, sind die Versionen direkt im Beitrag miteinander verlinkt. Existiert er nur in einer Sprache, steht er so, wie er ist.

Folge nicht jedem Faden—nur denen, die dich ansprechen.

Robert


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Eine ehrliche Rentenbilanz: Stabil heute – fragil morgen? | DE

Ein Essay zur Rentenlage Deutschlands im Jahr 2025, zwischen demografischem Wandel, politischer Trägheit und der Chance auf systemische Erneuerung.


1. Die Ausgangslage: Stabilität als Trugschluss?

Die Schlagzeilen im Frühjahr 2025 scheinen zu beruhigen: Der Rentenbeitragssatz bleibt bei 18,6 Prozent, der Bundeszuschuss zum Rentensystem ist seit Jahren relativ konstant, und aktuelle Berechnungen zeigen keine unmittelbare Finanzierungslücke. In der ntv-Berichterstattung vom Mai 2025 heißt es: “Die Rente ist heute stabiler, als viele denken.”

Das klingt beruhigend. Doch diese scheinbare Solidität ist nur ein Ausschnitt der Realität.

Denn gleichzeitig zeigen die Statistiken von Statista und der Deutschen Rentenversicherung eine tiefgreifende demografische Verschiebung: Seit 1992 ist die Zahl der Altersrentner um 58,3 Prozent gestiegen, während die Zahl der Beitragszahler nur um 23,4 Prozent zugenommen hat. Rechnerisch kamen 1962 noch sechs Beitragszahler auf einen Rentner – heute sind es nur noch 2,1. Und das Verhältnis sinkt weiter: Bis 2050 könnten nur noch 1,3 Beitragszahler je Rentner übrig bleiben.

Diese beiden Perspektiven widersprechen sich nicht. Sie offenbaren vielmehr ein wertvolles, aber begrenztes Zeitfenster. Jetzt ist das System noch tragfähig. Aber es ist nicht zukunftsfest.


2. Warum Panik fehl am Platz ist – aber Untätigkeit auch

Es gibt keine akute “Rentenkrise” im Sinne eines Kollapses. Niemand verliert derzeit seine Rentenansprüche. Die Mechanismen des Umlagesystems funktionieren. Und doch führt die demografische Entwicklung langfristig zu einer Überdehnung dieser Mechanismen:

  • Die jüngeren Generationen tragen einen immer größeren Anteil an der Finanzierung der laufenden Renten.
  • Die staatlichen Zuschüsse steigen schleichend an und drohen andere Haushaltsposten zu verdrängen.
  • Das Rentenniveau sinkt, insbesondere bei unvollständigen Erwerbsbiografien.

Die Wahrheit ist: Ohne Reform verarmt nicht das System über Nacht, sondern seine Glaubwürdigkeit und intergenerationale Fairness erodieren.


3. Internationale Vergleichsmodelle: Lernen, ohne zu kopieren

Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass andere europäische Länder unterschiedlich auf den demografischen Wandel reagieren:

Diese Modelle belegen: Es gibt keinen “Königsweg”, aber viele funktionierende Mischmodelle. Was auffällt:

  • Staaten mit frühzeitiger Kapitaldeckung stehen dem demografischen Druck robuster gegenüber.
  • Eine breite Einzahlerbasis (auch Beamte, Selbstständige, Kapitaleinkommen) stabilisiert das System.
  • Transparenz über Rentenniveau und -anspruch schafft Vertrauen.

4. Reformansätze für Deutschland: realistisch und solidarisch

a) Dynamisierung des Renteneintrittsalters

Ein flexibles Rentenalter, gekoppelt an die durchschnittliche Lebenserwartung, wäre eine einfache, aber faire Anpassung. Wer länger lebt, arbeitet etwas länger – sofern gesundheitlich möglich und sozial flankiert.

b) Erweiterung der Beitragsbasis

Beamte, Selbständige und Kapitaleinkommen könnten schrittweise einbezogen werden. Das ist politisch heikel, aber verfassungsrechtlich machbar und gesellschaftlich legitim.

c) Ergänzende Kapitaldeckung

Eine verpflichtende, aber staatlich organisierte Zusatzvorsorge (z. B. nach schwedischem Vorbild) könnte langfristig die Beitragssätze stabilisieren, ohne das Umlageprinzip zu ersetzen.

d) Generationengerechtigkeit als Prüfstein

Reformen müssen explizit auf Verteilungseffekte zwischen den Generationen hin überprüft werden. Eine “Jugendverträglichkeit” der Rentenpolitik ist langfristig ein Stabilitätskriterium.


5. Kommunikation ist Teil der Reform

Panik ist keine Reformstrategie. Aber auch der Verweis auf aktuelle Stabilität darf nicht zur Ausrede für Passivität werden. Was fehlt, ist eine Regierungskommunikation, die ehrlich sagt:

“Ja, die Rente ist heute sicher. Aber sie bleibt es nur, wenn wir jetzt klug handeln.”

Diese Debatte braucht mehr als Bekenntnisse. Sie braucht Fakten, Modelle, Rechenbeispiele. Kurz: Vertrauen durch Aufklärung.


6. Fazit: Ein seltenes Zeitfenster

Die Rente ist heute nicht in der Krise. Aber sie steht am Vorabend großer Herausforderungen.

Wenn wir dieses Zeitfenster der Stabilität nicht nutzen, um grundlegende Weichen zu stellen, wird die Politik später nicht mehr gestalten, sondern nur noch reagieren können.

Reformen brauchen Zeit. Vertrauen auch. Beides beginnt mit Ehrlichkeit.


© 2025 Robert F. Tjón, November 2025

Creative Commons CC BY-NC-ND 4.0 International

Dieser Text erschien zuerst auf Substack. Ich veröffentliche ihn hier freiwillig erneut – nicht als Wiederholung, sondern als Spur; ein Ort, an dem Worte nach ihrem ersten Flug zur Ruhe kommen dürfen.

Jeder Eintrag in diesem Log ist Teil einer fortlaufenden Reflexion über Erinnerung, Bewusstheit und Verbundenheit.

Mit Beiträgen unter: rftjon.substack.com

Das Signal von Nexperia | DE

Ein niederländischer Chiphersteller im Zentrum geopolitischer Spannungen – und Europas Lektion in Wahrnehmung.

1. Der Auslöser

Ende September 2025 geriet ein kleiner niederländischer Chiphersteller in den Mittelpunkt eines globalen Sturms. 
Nexperia B.V., mit Sitz in Nijmegen und im Besitz des chinesischen Konzerns Wingtech Technology, wurde von der niederländischen Regierung auf Grundlage des Gesetzes über die Verfügbarkeit von Gütern unter staatliche Kontrolle gestellt. 
Der offizielle Grund: nationale Sicherheit und technologische Kontinuität.

Wenige Tage später reagierte das chinesische Handelsministerium mit Exportbeschränkungen für Nexperias chinesische Werke und deren Zulieferer. 
Die Fabrik im südchinesischen Dongguan, zuständig für die Verpackung und Montage grundlegender Halbleiter, fuhr ihre Produktion herunter. Etwa ein Drittel der Maschinen stand still, Schichten wurden verkürzt, und das Management sprach von „vorübergehenden Anpassungen“.

Nexperia ist kein unbedeutender Zulieferer. Das Unternehmen produziert unscheinbare, aber unverzichtbare Standardchips – Transistoren, Dioden, Logikbausteine –, die nahezu jede Fahrzeugelektronik steuern. 
Europas Autohersteller, von Volkswagen bis Stellantis, benötigen wöchentlich Millionen davon.

Branchenverbände warnten rasch vor möglichen Engpässen. 
Der Verband der Automobilindustrie (VDA) erklärte, der Konflikt könne „erhebliche Produktionsbeschränkungen“ nach sich ziehen. Volkswagen teilte mit, dass es „derzeit keine unmittelbaren Auswirkungen“ gebe, man die Lage jedoch „genau beobachte“.

Bis Ende Oktober wurde keine europäische Automobilproduktion aufgrund von Nexperia unterbrochen. Doch schon eine einzige Lücke in der Lieferung dieser unscheinbaren schwarzen Bausteine könnte ganze Montagebänder zum Stillstand bringen. 
In einer Welt, die vom reibungslosen Rhythmus des Just-in-Time-Systems abhängig ist, genügt ein winziger Chip, um die Maschine zum Stillstand zu bringen.

2. Die Sprache der Ungewissheit

Die Fakten sind vergleichsweise einfach. Was das Bild verkompliziert, ist die Sprache, mit der darüber gesprochen wird. 
In den Medien tauchen bestimmte Begriffe mit beinahe hypnotischer Regelmäßigkeit auf: „Risiko“, „Störung“, „Entkopplung“, „Souveränität“, „Resilienz“.

Jeder dieser Begriffe trägt eine eigene Weltsicht und emotionale Färbung:

– „Risiko“ verweist auf Verwundbarkeit und Unsicherheit. 
– „Resilienz“ verspricht Erholung, deutet aber auch auf erlittenes Trauma hin. 
– „Entkopplung“ klingt chirurgisch präzise, verschleiert jedoch den Schmerz der Trennung.

In niederländischen und deutschen Medien dominiert die Perspektive der Sicherheit – der Schutz strategischer Industrien vor ausländischem Einfluss. 
In chinesischen Quellen liegt der Schwerpunkt auf Stabilität und „Nichtdiskriminierung“. Angloamerikanische Berichte rahmen den Konflikt als Teil eines größeren technologischen Kalten Krieges.

Sprache ist hier nicht neutral; sie erzeugt ein emotionales Klima. 
Was Ökonomen „Risikobewertung“ nennen, dient oft als institutionelle Selbsttherapie – sie verwandelt Unbehagen in Tabellen und Entscheidungsmatrizen. „Risiko“ wird zum höflichen Synonym für „Angst“.

Wenn Reuters einen Branchenvertreter zitiert, der sagt: „Produktionsstopps könnten eintreten, falls die Spannungen anhalten“, beschreibt das keinen Fakt, sondern eine mögliche Zukunft, verkleidet als Aussage. 
Das Verb „könnten“ ist ein Sicherheitsventil für Unsicherheit – sie schreibt Angst in die Grammatik ein.

Zwischen Schlagzeilen und Aktienkursen ist Risiko zur lingua franca einer Zivilisation geworden, die ihrem eigenen Spiegelbild misstraut. 
Wir analysieren unsere Ängste, statt sie zu benennen. Doch Sprache spiegelt Ereignisse nicht nur wider – sie formt, wie wir sie erleben.

3. Vom Risiko zur Chance

Ungewissheit ist nicht von Natur aus negativ. 
Jede Krise enthält eine Asymmetrie der Wahrnehmung: Was die einen als Risiko empfinden, erkennen andere als Chance.

Für Europas Halbleiterlandschaft könnte die Nexperia-Krise das beschleunigen, was in politischen Papieren längst gefordert wird – regionale Diversifizierung. 
Kleinere europäische Fertiger und Designhäuser – etwa Melexis in Belgien, X-Fab in Deutschland oder neue Konsortien in Frankreich – sehen die Gelegenheit, die Produktion jener preisgünstigen Standardchips zurückzuholen, die vor Jahrzehnten ausgelagert wurden.

Risiko ist, anders betrachtet, nichts anderes als Information darüber, wo Anpassung nötig ist – Darwins leise Logik des Überlebens. 
Ein Lieferkettenschock legt verborgene Abhängigkeiten offen; eine sicherheitspolitische Maßnahme zeigt den Preis der Bequemlichkeit.

In der Systemtheorie erzeugen Störungen Entropie – Unordnung, die Neuorganisation erzwingt. 
Defensive Systeme versuchen, das alte Gleichgewicht wiederherzustellen; adaptive Systeme lernen aus der Turbulenz und gehen gestärkt daraus hervor. 
Dasselbe Beben, das eine Brücke zum Einsturz bringt, kann eine neue über den Fluss eröffnen.

Chancen zu erkennen bedeutet nicht, die Gefahr zu verleugnen, sondern die Wahrnehmung neu zu zentrieren. Es ist eine Haltung, keine Vorhersage. 
Heraklit sagte: „Alles fließt“; der Buddha nannte es „Anicca“ – Vergänglichkeit. 
Die Weisen beten nicht um ruhige See; sie lernen, den Wind zu lesen – und ihre Segel und ihren Kurs anzupassen.

Aus dieser Perspektive ist die Nexperia-Episode weniger eine Geschichte über Chips als eine Parabel über Wahrnehmung. 
Regierungen handeln aus Angst vor Abhängigkeit; Unternehmen aus Angst vor Unterbrechung. Doch Angst, wenn sie erkannt wird, kann sich in Aufmerksamkeit verwandeln – in ein geschärftes Bewusstsein dafür, wo Wert, Vertrauen und Verwundbarkeit tatsächlich liegen.

Eine Chance ist nicht die Abwesenheit von Risiko. Sie ist der Mut, sich innerhalb der Ungewissheit zu bewegen – Volatilität als Information statt als Bedrohung zu verstehen. 
In diesem Sinne könnte Europas Halbleiterangst weniger ein Ende als ein Anfang markieren – ein Moment, in dem der Kontinent lernt, Vorsicht in Vorstellungskraft und Innovation zu verwandeln.

Epilog

Wenn Lieferketten sich verengen und Rhetorik sich verhärtet, liegt die Versuchung nahe, nur den Verlust zu sehen – an Zugang, Kooperation und Vorhersehbarkeit. 
Doch unter dem Lärm bleibt ein leiseres Signal bestehen: Die Welt erinnert sich daran, dass gegenseitige Abhängigkeit zugleich Bürde und Gnade ist.

Die Geschichte von Nexperia wird bald aus den Schlagzeilen verschwinden, verdrängt vom nächsten Beben im globalen Schaltkreis. 
Doch ihre tiefere Botschaft bleibt: Risiko ist nur der Schatten, den Veränderung wirft – und wer aufmerksam hinschaut, erkennt, dass jeder Schatten eine mögliche neue Form zeichnet.

© 2025 Robert F. Tjón, Oktober 2025

Creative Commons CC BY-NC-ND 4.0 International

Dieser Text erschien zuerst auf Substack. Ich veröffentliche ihn hier freiwillig erneut – nicht als Wiederholung, sondern als Spur; ein Ort, an dem Worte nach ihrem ersten Flug zur Ruhe kommen dürfen.

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The Nexperia Signal

A global chip dispute becomes a mirror for Europe’s fear of change — and its chance to learn from it.

1. The Catalyst

At the end of September 2025, a small Dutch chipmaker became the centre of a global storm. 
Nexperia B.V., based in Nijmegen and owned by China’s Wingtech Technology, was placed under Dutch government control under the Goods Availability Act. 
The official reason: national-security and technological-continuity concerns.

Days later, China’s Ministry of Commerce retaliated with export restrictions on Nexperia’s Chinese operations and related subcontractors. 
The company’s Dongguan factory, responsible for packaging and assembly of basic semiconductors, slowed its lines. Machine-idle rates reached roughly one-third, shifts were reduced, and management spoke of “temporary adjustments.”

Nexperia is no small supplier. It produces the unglamorous but indispensable discrete chips—transistors, diodes, logic components—that power almost every vehicle’s control units. 
Europe’s carmakers, from Volkswagen to Stellantis, rely on millions of these per week.

Industry associations quickly warned of possible shortages. 
The German VDA declared that “considerable production restrictions” could follow if the conflict continued. Volkswagen responded that there was “no immediate impact” but acknowledged that “the situation is being monitored closely.”

As of late October, no assembly plant in Europe has shut down because of Nexperia. Yet a single interruption in the supply of these unremarkable black squares would be enough to stall entire production lines. 
In a world addicted to the smooth hum of just-in-time logistics, even a minor chip can jam the machine.

2. The Language of Uncertainty

The facts are relatively simple. What complicates the picture is the vocabulary surrounding them. 
Across the media spectrum, certain words recur with hypnotic regularity: “risk, disruption, decoupling, sovereignty, resilience.”

Each term carries its own worldview and emotional temperature:

– “Risk” suggests exposure and fragility. 
– “Resilience” promises recovery but implies trauma. 
– “Decoupling” sounds surgical, but it hides the pain of separation.

In Dutch and German outlets, the narrative leans toward security—protecting strategic industries from foreign control. 
In Chinese sources, the emphasis is on stability and “non-discrimination.” Anglo-American commentary frames the dispute within a broader cold-tech rivalry.

Language here is not neutral; it manufactures emotional climate. 
What economists call “risk assessment” often functions as institutional self-therapy—transforming unease into spreadsheets and decision charts. “Risk” becomes a polite synonym for “fear”.

When Reuters quotes an industry official saying, “Production stoppages could occur if tensions persist,” it is not describing a fact but a possible future dressed as a statement. 
The verb “could” is a safety valve for anxiety. It projects uncertainty into grammar.

Between headlines and stock tickers, risk has become the lingua franca of a civilisation that mistrusts its own reflection. 
We analyse our fears instead of naming them. Yet words do not only mirror events; they sculpt how we experience them.

3. From Risk to Opportunity

Uncertainty is not inherently negative. 
Every crisis contains an asymmetry of perception: what some feel as risk, others detect as opportunity.

For Europe’s semiconductor ecosystem, Nexperia’s turmoil might accelerate what policy papers have long promised—regional diversification. 
Smaller European fabs and design houses—Melexis in Belgium, X-Fab in Germany, even new consortia in France—see a window to localise production of the low-margin chips that were largely outsourced decades ago.

Risk, viewed through another lens, is simply information about where adaptation is needed—Darwin’s quiet logic of survival. 
A supply-chain shock exposes hidden dependencies; a national-security measure reveals the price of complacency.

In systems theory, disturbances introduce entropy—disorder that forces reorganisation. 
Defensive systems seek to restore the old balance; adaptive ones learn from the turbulence and emerge more complex. 
The same tremor that collapses one bridge may open a new one across the river.

To perceive opportunity requires not denial of danger but a re-centering of awareness. It is a posture rather than a prediction. 
Heraclitus said that “everything flows”; the Buddha called it “anicca”—impermanence. 
The wise do not pray for calm seas; they learn to read the wind—and to adjust their sails and course.

Seen from this angle, the Nexperia episode is less a story about chips than a parable about perception. 
Governments act out of fear of dependency; industries act out of fear of interruption. Yet fear, when recognised, can be transmuted into attentiveness—a sharper sense of where value, trust, and vulnerability actually reside.

Opportunity is not the absence of risk. It is the courage to move within uncertainty, to treat volatility as information rather than threat. 
In that sense, Europe’s semiconductor anxiety might mark a beginning rather than an end—a moment when the continent learns to turn its precaution into imagination and innovation.

Epilogue

When supply chains tighten and rhetoric hardens, the temptation is to see only loss—of access, of cooperation, of predictability. 
But beneath the noise, a quieter signal persists: the world is reminding itself that interdependence is curse and blessing, has both cost and grace.

The Nexperia story may soon fade from the headlines, replaced by the next tremor in the global circuitry. 
Yet its deeper message remains: risk is merely the shadow cast by change—and if we attend carefully, every shadow outlines a possible new form.

© 2025 Robert F. Tjón, October 2025

Creative Commons CC BY-NC-ND 4.0 International

This piece first appeared on Substack. I republish it here voluntarily – not as a repetition, but as a trace; a place where words can rest after their first flight. Each entry in this log forms part of an ongoing meditation on memory, awareness, and connection. More on rftjon.substack.com.